Schon wieder sitze ich in meinem kleinen Studio und mach mir Gedanken zu meiner jetzigen Produktion.
Produktionsprozesse optimieren, Klangbilder erschaffen und einen eigenen spezifischen Sound kreieren.
Das beginnt diesmal schon beim editieren der Noten, die Auswahl der Mikrophone und Instrumente und – anstatt den Gesamtklang mit Halleffekten zuzukleistern – vorzugsweise diesmal mit Raumsimulationen zu arbeiten.
Ziel ist es (ähnlich wie bei der vorhergehenden Sinatra Produktion) einen warmen analogen Sound zu erschaffen, der mehr von einer Bandmaschine als aus einem Computer kommt.
Erwähnenswert ist es noch, daß die beiden Stücke, die ich gerade bearbeite einen völlig verschiedenen Kontext haben.
Das Fehmarn Lied ist eher in einer Rock Atmosphäre anzusiedeln. Kein Metal, sondern eher wie Produktionen aus den 90ern klingen sollte, die von einem Rick Rubin/Brendan O’Brien stammen könnten. (Also wirklich nur als klangliches Vorbild – ich maß mir die Qualität nicht an.).
Hinzu eine Ballade im 3/4 Takt, die eher im Chanson anzusiedeln ist. Schön mit klassischer Gitarre, 12er Takamine, Bösendorfer und einem Streichorchester aus dem Spitfire Audio Modul.
Dennoch sollten die beiden Nummern homogen klingen.Wie aus einem Guß sozusagen.
Schritt 1:
Der Schlagzeugsound
Hierbei hab ich mir das Studio Kit aus der Logic Library rausgesucht und als 15 spuriges Modul etwas bearbeitet, um dem Ziel etwas näher zu kommen.
Bereits jetzt werden die Kanäle, wie z.B. Kick in/out oder Snare Top/Bottom von mir vorab leicht mit einem Eq bearbeitet. So in etwa, als ob man vor einem Live Pult steht.
Das spart in der anschließenden Audiobearbeitung schon etwas Rechenleistung, die wir garantiert noch brauchen werden.
Anstatt den Logic eigenen Room Kanal zu nehmen, arbeite ich wieder mit dem UAD Sound City Plugin, arbeite mit der Mikrophonierung und der Raumgrösse, senke bereits vorab die Bässe und Höhen ab und komprimier das Summensignal durch den Sound City eigenen 1176 Compressor.
Lediglich die Snare läuft nochmal über den Room A aus Logic, damit ich den Raumklang der Snare separat pushen kann.
Schritt 2:
Der Bass Sound
Diesmal hab ich mir den alten UAD Ampeg ausgesucht. Der knurrt so schön und macht herrliche Obertöne zudem eine feiste Röhrensättigung. Ich mag diesen Amp einfach.
Kompression und tiefergehende Klangbearbeitung verschiebe ich erstmal auf den 2. Produktionsprozess, um nicht direkt so festgelegt zu sein.
Schritt 3:
Die Gitarren
Hab mir extra die Harley Benton DG Tribute Fender zugelegt.
Mit dem Ahorn Griffbrett kriegt man diese `splanky`funky Sounds bestens hin. Ich hatte mal eine Original Fender mit diesem Griffbrett und es war einfach ein Genuss bei Cleansounds darauf Akkorde zu schrabbeln. Leider ging mir das damalige Modell in Indisch blau über diverse dubiose Wege mitsamt eines Fender Twin Reverbs verloren. Aber das ist auch schon gut 30 Jahre her, deshalb : keep on rockin!
Mit Harley Benton bin ich eigentlich generell zufrieden. Klar sollte man sich die Zeit nehmen die Gitarre nochmal richtig einzustellen, bundrein zu machen und den Hals mit der Truss Rod zu korrigieren. Aber die Arbeit lohnt sich!
Zum einspielen nehme ich den UAD Century Tube Channel über das Apollo Modul und kann damit latenzfrei in Logic aufnehmen.
Zur weiteren Bearbeitung der gedoppelten Gitarrenspuren in Logic hol ich mir den Dreamverb von Universal Audio hinzu. Meines Erachtens die beste Simulation eines Fender Twin Reverbs auf dem Markt.
Für die akustischen Gitarren hab ich mir eine Taylor mit dem Kondensator von Slate Digital, für die 12er ein einfaches SM 57 und für die Konzertgitarre ein Kondenser Stereo Paar von Behringer (!) ausgesucht. Ich weiß, bei vielen Musikern ist Behringer verpönt, aber das ist absoluter Quatsch. Nicht erst seit der Zusammenarbeit mit Midas und Klarke Technics bieten Behringer ein breit aufgestelltes Sortiment an nutzbarem Equipment an. Und meinen Geldbeutel freuts auch!
Schritt 4:
Gesangsaufnahme:
Das Rode NT1a ist mein persönlicher Standard für Vocals. Ein Neumann Mikrophone wäre zwar auch ganz toll, aber zum einen kostet das soviel wie ein gebrauchter Kleinwagen und nimmt dazu im hauseigenen Studio vielleicht auch so präzise alle möglichen Nebengeräusche auf, die einfach absolut nicht zur Musik passen müssen.
Wieder geh ich über die Apollo Console und nehme mir den Neve 1073 als Preamp und die Kombination aus 1176 und LA2A als komfortablen Einstieg und überlasse die weitere Bearbeitung dem folgenden Produktionsprozess Part 2.