Schon wieder sitze ich in meinem kleinen Studio und zerbreche mir den Kopf über die aktuelle Produktion.
Wie optimiert man Produktionsprozesse?
Wie erschafft man Klangbilder?
Und vor allem: Wie entwickelt man einen Sound, der nach einem selbst klingt – und nicht nach „Preset Nummer 37“?
Diesmal beginnt das Ganze schon deutlich früher als sonst: beim Editieren der Noten, bei der Auswahl der Mikrofone und Instrumente und vor allem bei der Frage, wie man Räumlichkeit erzeugt, ohne den kompletten Mix mit Hall zuzuschütten wie eine Tiefkühlpizza mit Gratinkäse.
Das Ziel ist diesmal – ähnlich wie bei der vorherigen Sinatra-Produktion – ein warmer, analoger Sound. Einer, der eher nach Bandmaschine klingt als nach Computerbildschirm und Mauspad.
Spannend dabei: Die beiden Songs, an denen ich gerade arbeite, könnten stilistisch unterschiedlicher kaum sein.
Das „Fehmarn“-Lied bewegt sich eher in einer rockigen Atmosphäre. Kein Metal-Gewitter, sondern eher dieser warme, organische 90er-Sound, wie man ihn aus Produktionen von Rick Rubin oder Brendan O’Brien kennt.
(Natürlich wirklich nur als klangliche Inspiration — ich maße mir definitiv nicht an, in dieser Liga mitzuspielen.)
Dazu kommt noch eine Ballade im 3/4-Takt, irgendwo zwischen Chanson und Wohnzimmer-Melancholie: klassische Gitarre, 12-saitige Takamine, Bösendorfer und ein Streichorchester aus dem Spitfire-Audio-Modul.
Trotzdem sollen beide Songs homogen wirken.
Wie aus einem Guss eben.
Schritt 1: Der Schlagzeugsound
Für die Drums habe ich mir diesmal das Studio Kit aus der Logic Library geschnappt und als 15-spuriges Setup etwas umgebaut, um dem gewünschten Sound näherzukommen.
Bereits jetzt bearbeite ich einzelne Kanäle wie Kick In/Out oder Snare Top/Bottom leicht mit EQs — ungefähr so, als würde man schon am Live-Pult stehen und dem Ganzen vorsichtig die ersten Konturen verpassen.
Das spart später tatsächlich etwas Rechenleistung. Und die werden wir ziemlich sicher noch brauchen.
Statt des Logic-internen Room-Kanals arbeite ich erneut mit dem UAD Sound City Plugin. Dort spiele ich mit Mikrofonierung und Raumgröße, ziehe Höhen und Bässe schon vorab etwas zurück und komprimiere das Summensignal satt mit dem integrierten 1176 Compressor.
Nur die Snare bekommt zusätzlich noch den „Room A“ aus Logic spendiert, damit ich ihren Raumanteil separat etwas anschieben kann.
Denn seien wir ehrlich: Eine gute Snare darf ruhig so tun, als hätte sie ihre eigene Postleitzahl.
Schritt 2: Der Basssound
Beim Bass fiel die Wahl diesmal auf den alten UAD Ampeg.
Der knurrt einfach herrlich, produziert wunderschöne Obertöne und liefert genau diese feiste Röhrensättigung, die man nicht erklären kann, sondern einfach fühlen muss.
Kompression und detaillierte Klangbearbeitung verschiebe ich allerdings bewusst auf den zweiten Produktionsprozess.
Zu frühes Festlegen endet sonst gern damit, dass man drei Tage später alles wieder auseinanderreißt und sich fragt, warum man eigentlich so überzeugt von seiner ersten Idee war.
Schritt 3: Die Gitarren
Extra für die Produktion habe ich mir die Harley Benton DG Tribute gegönnt.
Gerade mit dem Ahorn-Griffbrett bekommt man diese herrlich „splanky-funky“ Cleansounds hin. Ich hatte früher mal eine originale Fender mit genau diesem Charakter — ein Traum für cleane Akkorde und rhythmisches Geschrabbel.
Leider verschwand das gute Stück damals auf eher dubiosen Wegen in Richtung „nie wieder gesehen“.
Mit Harley Benton bin ich grundsätzlich ziemlich zufrieden. Klar: Man sollte sich die Zeit nehmen, die Gitarre sauber einzustellen, bundrein zu machen und den Hals über den Truss Rod nachzujustieren.
Aber die Arbeit lohnt sich definitiv.
Aufgenommen wird über den UAD Century Tube Channel in Kombination mit dem Apollo-System — angenehm latenzfrei direkt in Logic.
Für die weitere Bearbeitung der gedoppelten Gitarrenspuren kommt anschließend noch der Dreamverb von Universal Audio dazu. Für mich aktuell eine der überzeugendsten Fender-Twin-Reverb-Simulationen überhaupt.
Bei den Akustikgitarren wird’s dann etwas bunter:
- Taylor mit dem Slate-Digital-Kondensator
- die 12-Saitige über ein simples SM57
- und für die Konzertgitarre tatsächlich ein Stereo-Kondensatorpaar von Behringer (!)
Ja, ich weiß — bei manchen Musikern löst der Name Behringer ungefähr dieselbe Reaktion aus wie Dosenbier auf einer Weinprobe.
Aber ganz ehrlich: Das ist oft ziemlicher Unsinn. Spätestens seit der Zusammenarbeit mit Midas und Klark Teknik liefern die ordentlich brauchbares Equipment.
Und mein Geldbeutel applaudiert ebenfalls höflich aus der Ecke.
Schritt 4: Die Gesangsaufnahme
Das Rode NT1-A ist inzwischen mein persönlicher Standard für Vocals geworden.
Ein Neumann wäre natürlich ebenfalls traumhaft — kostet aber ungefähr so viel wie ein gebrauchter Kleinwagen und zeichnet im Homestudio im Zweifel auch noch jedes vorbeifahrende Auto, knarzende Laminatbrett und jede existentialistische Atembewegung mit auf.
Deshalb bleibt das Rode erstmal der treue Begleiter.
Aufgenommen wird erneut über die Apollo Console, kombiniert mit einem Neve 1073 als Preamp sowie der klassischen Kombination aus 1176 und LA-2A als entspannter Einstieg.
Die eigentliche Feinarbeit verschiebe ich dann bewusst auf den nächsten Produktionsschritt: