Frankieband – Fehmarn Produktion Part 4

Erinnert ihr euch vielleicht noch, was ich in Part 1 über den Schlagzeugsound gesagt habe? Von wegen die einzelnen Kanäle vor dem Export bereits mit einem EQ versehen, so ähnlich wie bei einem Live-Mischpult?

Alles Quatsch!

Löscht das bitte umgehend aus eurem Gedächtnis. Sofort.

(The worst advice ever.)

Hab ich allerdings auch erst nach ausgiebigem Rumprobieren und mehreren mittelschweren Sinnkrisen selber rausgekriegt.

Zum einen klingen die Sounds aus dem Schlagzeug-Kit ja bereits wie ein ordentlich aufgenommenes Schlagzeug. Zum anderen schränkt einen so ein hochdramatischer Eingriff später im Mix enorm ein.

Wer kennt es nicht? Die Kick klingt wie ein hohler Eimer. Also Plugin drauf. Dann noch eins. Vielleicht noch ein Drittes, weil’s ja jetzt fast gut klingt.

Im Solobetrieb natürlich sensationell.

Im Mix hört man dann allerdings nur noch Kick.

Also Kick wieder leiser. Plötzlich ist sie komplett verschwunden und die ganze Produktion klingt, als würde sie aus einem Küchenradio von 1983 übertragen werden.

Also revidiere ich hiermit ganz offiziell meinen ultimativen Super-Soundhack und beginne mit der Abmischung wieder von vorne.

(Ist ja nicht so, als hätte ich keinen Spaß daran, stundenlange Arbeit spontan wieder über den Haufen zu werfen.)

Sowohl für Kick als auch Snare benutze ich nun zwei leicht gegensätzliche EQ-Einstellungen für den jeweiligen Bus:

 

 

Wie ihr seht, habe ich dem Kick-In-Sound auch etwas Low-End gegönnt und den oberen Mittenbereich nicht mehr ganz so aggressiv bearbeitet. Gleichzeitig darf der Kick-Out-Sound auch ein bisschen atmen und bekommt etwas mehr Headroom.

Der eigentliche Zauber passiert jetzt im Kick-Bus. Dort werden die beiden Signale mit viiiiiel Feingefühl austariert, bis daraus ein vernünftiges Gesamtsignal entsteht.

Die endgültige Lautstärkeentscheidung fällt dann sowieso erst im Gesamtmix.

Hört euch mal ein paar professionelle Rockproduktionen an. Ich staune immer wieder, wie dezent dort Kick und Bass teilweise eingesetzt werden. Und dann muss ich mich regelmäßig selbst daran erinnern, dass ich hier weder Hip-Hop noch EDM mische.

Nee.

Hier ist Rock angesagt.

Da stehen die Gitarren vorne.

Und der Gesang sollte idealerweise auch noch irgendwo stattfinden.

Auch im Kick-Bus habe ich wieder einiges geändert. Teilweise bin ich vom UAD 1176 weg und nutze stattdessen einen recht unspektakulären Logic-internen Kompressor mit 1176-Charakter.

Der große Vorteil: Ich kann Attack- und Release-Zeiten exakt einstellen.

Diese Werte klaue ich übrigens völlig schamlos bei tuneform.com. Dort gibt es Tabellen mit den entsprechenden Millisekundenwerten von 64stel- bis Viertelnoten – abhängig vom Songtempo.

Tempo eingeben.

Zahl ablesen.

Fertig.

Manchmal darf das Leben auch einfach sein.

Gilt übrigens genauso für Hall- und Delayzeiten.

 

Mit dem Kompressor mache ich den Sound im Prinzip nur etwas konsistenter. Kein dramatischer Eingriff. Ratio um die 2:1, Threshold nur so weit, dass die Nadel ein bisschen herumzappelt und beschäftigt aussieht.

Im Drum-Bus habe ich mich außerdem von diversen Saturation-Plugins verabschiedet und leider auch den Distressor an den Nagel hängen müssen.

Tat ein bisschen weh.

Ich mag den Sound wirklich gerne.

Aber nur weil man etwas mag, heißt das leider noch lange nicht, dass es in den Song gehört. Eine Erkenntnis, die man als Produzent ungefähr genauso oft lernt wie vergisst.

Da ich durch das Sound-City-Modul ohnehin schon diesen brachialen Room-Sound habe, brauche ich keine zusätzliche Sättigung mehr.

Lediglich einen parallelen SSL-Bus-Kompressor und den Oxford Inflator, damit alles etwas dreidimensionaler wirkt und die Peaks eingefangen werden.

That’s it.

So, das war’s erstmal mit dem Drumsound.

Die Moral von der Geschichte?

Weniger ist mehr.

Und niemals das große Ganze aus den Augen verlieren.

Denn entscheidend ist nicht, wie geil die Snare solo klingt.

Entscheidend ist, in welchem Stadion man gerade spielt.

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert