Jetzt kommen wir tatsächlich zum wichtigsten Element des Songs: dem Gesang.
Hier geht’s direkt ins Herz. Keine Tricks, kein Blendwerk, kein Studio-Voodoo – nur das, was aus einem selbst herauskommt. Möglichst ehrlich. Möglichst auf den Punkt.
Und genau davor hatte ich den größten Respekt.
Es gibt schließlich tausend gute Ausreden, Gesangsaufnahmen vor sich herzuschieben. Erst muss noch ein Gitarrensound optimiert werden, dann fällt einem plötzlich ein, dass die Snare vielleicht doch noch einen halben dB mehr vertragen könnte und überhaupt… irgendetwas gibt es immer.
Blöd nur, dass das Release-Datum inzwischen feststeht:
13.08.

Ab jetzt gibt es kein Zurück mehr.
Eigentlich wollte ich mir die nötige Inspiration im Urlaub holen. Direkt an der Ostsee. Schräg gegenüber von Fehmarn. Die Insel ständig im Blick. Das musste doch helfen.
Tat es… nur irgendwie anders.
Denn parallel lief die Fußball-WM.
Und Fußball besitzt bekanntlich eine fast schon wissenschaftlich belegte Fähigkeit, sämtliche kreativen Prozesse zuverlässig auf später zu verschieben.
Erstaunlicherweise kamen die besten Ideen dann erst wieder zu Hause.
Text.
Phrasierung.
Mikrofonierung.
Welche Plugins.
Welche Hilfsmittel.
Manchmal braucht der Kopf wohl einfach etwas Abstand, bevor er wieder loslegt.
@frankieband Part 1 von den vocal recordings der Fehmarn Lieder von der frankieband #frankieband #Fehmarn #logicpro #musicproduction #Røde
Natürlich war ich immer noch mitten in meiner Experimentierphase.
In der UAD Console habe ich beispielsweise den Blue Stripe 1176 ausprobiert. Der gilt als etwas aggressiver und durchsetzungsfähiger als der Blackface.
Meine Hoffnung: mehr Charakter.
Die Realität:
Brauche ich gar nicht.
Den nötigen Rotz bringe ich von Natur aus schon mit.
Vielleicht ein Andenken an unzählige Nächte in verrauchten Kneipen, Bars und Proberäumen.
Auch mit Saturation-Plugins bin ich inzwischen deutlich vorsichtiger geworden.
An richtig guten Tagen klingt die Stimme ohnehin schon rau genug. Fast schon ein bisschen David Coverdale zu seinen besten Zeiten.
Muss aber gar nicht sein.
Wir bewegen uns schließlich im deutschen Rock-/Pop-Bereich. Eine komplett bluesig zerfetzte Stimme würde eher wie ein Gastauftritt aus einer anderen Band wirken.
Also wieder einmal: die goldene Mitte finden.
Apropos deutscher Rock/Pop…
Endlich ist auch der Songtext fertig geworden.
Ich möchte ihn euch an dieser Stelle gerne vorstellen.
Auf der Brücke nach Fehmarn
Schönen guten Morgen
Autobahn
muss zu meinem job
so schnell wie ich kann
Regenradar bin in den Stau gefahren
Oh bitte sag mir warum bin ich hier?
und nicht mit dir?
Refrain:
Auf der Brücke nach Fehmarn
Immer wenn wir zur See fahrn
Wir machen Musik an
Und vergessen, daß wir hier warn
Himmelblau, die Zeit steht still
Was ich brauch und was ich will
ist hier, mit Dir
Ouuu In der Firma brennt schon licht
doch Ich war es nicht
hier geht jobben und mobben und jobben und mobben und immer Stunden kloppen
Doch das Is allen egal
Weils immer schon so war
Oh bitte sag mir warum bin ich hier?
und nicht mit dir?
Refrain:
Auf der Brücke nach Fehmarn
Immer wenn wir zur See fahren
wir drehen die Musik an
Und vergessen, daß wir hier warn
Himmelblau, die Zeit steht still
Was ich brauch und was ich will
ist hier, mit Dir
Auf der Brücke nach Fehmarn
Komm lass uns losfahrn
(Outro) irgendwann, da bleib ich hier
Und lass alles hinter mir mit dir
Im Grunde erzählt der Song etwas, das wahrscheinlich viele kennen.
Man sitzt morgens im Auto auf dem Weg zur Arbeit. Ein Job, der einen nicht wirklich erfüllt. Aber man zieht ihn durch, weil Rechnungen nun mal erstaunlich wenig Verständnis für Selbstverwirklichung haben.
Und gleichzeitig gibt es dieses Ziel vor Augen:
Ein paar Tage raus.
Mit dem Menschen, den man liebt.
Musik an.
Durchatmen.
Alles andere einfach mal vergessen.
Fehmarn steht dabei weniger für einen Ort als für genau dieses Gefühl.
In Part 7 geht es dann endlich an die eigentliche Gesangsbearbeitung.
Ein Thema, über das man wahrscheinlich ein ganzes Buch schreiben könnte.
Irgendwann muss man sich allerdings selbst zur Ordnung rufen, aufhören, an jedem Regler zu drehen, und wieder zum Wesentlichen zurückkehren.
Denn am Ende entscheidet meistens nicht das Plugin.
Sondern der Song.