Schritt 3: Gitarrensound
Drums und Bass hatten wir ja bereits in Part 2 besprochen.
Jetzt wird’s ernst. Jetzt geht’s um Gitarren. Also um das Instrument, wegen dem wahrscheinlich 80 % aller Musikproduzenten irgendwann Rückenschmerzen, Hörschäden und leichte Größenfantasien entwickeln.
Drei unterschiedliche Gitarren – aber im Kanalzug herrscht eiserne Standardisierung:
Neve, dbx 160 und der Pro Q3. Mehr braucht’s eigentlich nicht.
@frankieband neuer Track von mir. mal wieder den Kopf freikriegen #Ostsee #Fehmarn ♬ Originalton – Frankie
Der Neve hat einfach diese wunderbare Klangfarbe, die entsteht, wenn man den Preamp ein bisschen anschiebt. Dazu kommt diese musikalische Klangregelung, die genau da eingreift, wo Gitarren plötzlich anfangen, teuer zu klingen.
Und dann wäre da noch meine persönliche Geheimwaffe für dynamisches Gitarrenspiel:
der One-Touch-Kompressor von dbx.
Gitarristen wie ich lieben dieses Teil. Kein Gefummel mit Attack- oder Release-Zeiten, keine philosophischen Diskussionen über den perfekten Threshold-Sweetspot. Einschalten, dezent einstellen und darauf achten, dass das rote Lämpchen nicht dauerhaft wie ein Weihnachtsbaum leuchtet — das war’s.
Und plötzlich klingt das eigene Geschrabbel verdächtig professionell.
Da im Song fast keine Keyboards vorhanden sind, dafür aber eine ausgewachsene Wall of Guitars, produziert man sich automatisch auch eine Wall of Problems.
Frequenzüberschneidungen überall.
Die Gitarren prügeln sich untereinander, nebenbei noch mit dem Gesang und manchmal vermutlich auch mit den Naturgesetzen.
Besonders kritisch wird’s in den oberen Mitten. Wenn Gitarren und Vocals dort gleichzeitig um Aufmerksamkeit kämpfen, kann das ziemlich unangenehm werden — die Stimme verschwindet dann schneller im Mix als Motivation nach einem Montagmorgen.
Aber auch die unteren Mitten haben ihre Tücken. Zu viel davon und der gesamte Song klingt plötzlich so, als hätte jemand ein Kopfkissen über die Monitore geworfen.
Beides gehört eher nicht zu meinen Produktionszielen.
Also beschäftige ich mich intensiver mit genau diesen Bereichen.
Meine Lieblingswaffe dafür: der Pro Q3 von FabFilter.
Dank der Sidechain-Funktion zeigt er die problematischen Frequenzüberschneidungen wunderbar leicht purpurrot an. Das spart einem die übliche Frequenz-Schnitzeljagd und liefert direkt einen ziemlich guten Hinweis darauf, wo gerade akustisch die Kneipenschlägerei stattfindet.
Kennt ihr übrigens diese Gitarristen, die sich nach dem Soundcheck während des Gigs heimlich noch lauter drehen und damit dem FOH-Mischer kollektiv den Blutdruck erhöhen?
Tja … genauso einer bin ich auch.
Ich weiß manchmal selbst nicht, warum ich das mache. Vermutlich liegt das irgendwo tief im Gitarristengen verborgen — jenem mysteriösen DNA-Abschnitt, den Watson und Crick damals übersehen haben und der bis heute irgendwo in der musikalischen Matrix sein Unwesen treibt.
Die wahre Kunst besteht also darin, sich von diesem gottgegebenen Schicksal zu lösen und die Gitarrenfader einfach nüchtern wieder herunterzuziehen.
Auch wenn’s weh tut.
Denn am Ende bleibt der Gesang nun mal das wichtigste Element eines Songs.
Und genau darum geht’s dann in Part 4.
@frankieband der neue sound von der frankieband #frankieband #logicpro #uad ♬ Originalton – Frankie