Making of Hippie Attack – Gitarrensound

Hatte ich bereits erwähnt auf Amp Simulation bei den Aufnahmen komplett verzichten zu wollen? Nein? Nicht? Gut so. Denn es stimmt auch überhaupt nicht mehr. Denn es verhält sich nun folgendermassen:

Vorher noch groß davon berichtet,  ein Sims Amp würde nie die Power eines richtigen Verstärkers liefern (siehe Real Amp vs. Virtual Amp), ließ mich das Thema jedoch nicht los und es juckte mir derart in den Fingern, daß ich mir dann doch den Marshall Silver Jubilee 2555 von softube zulegen musste.

  • Marshall Silver Jubilee 2555

marshall silver jubilee

Und siehe da, der Sound haut mich richtig um! Der klingt ja mit aufgedrehtem Gain genauso wie mein alter getuneder Marshall JCM 800. Nur über Kopfhörer oder die Monitore eben. Was die Nerven und die Toleranzschwellen meiner Frau und die meiner  Nachbarschaft enorm schont. Zudem hab ich mir mit den Jahren recht ungewöhnliche Produktionszeiten angewöhnt:

Amp City

Es kann durchaus schon mal sein, daß ich um 4 Uhr morgens eine tolle Idee zu einem Gitarrenriff bekomme. Der frühe Vogel fängt den Wurm und so. Man stelle sich nur dieses Stack in aller Herrgottsfrühe voll aufgedreht einmal vor: Das hätte doch mit grosser Wahrscheinlichkeit eine Anzeige wegen Ruhestörung oder eine Einweisung in eine beaufsichtigte Einrichtung oder zumindest einen langgestreckten Scheidungsprozess zur Folge. So was kann und will ich nicht mehr in meinem Alter riskieren. Zusammengefasst ist es meiner Gesundheit und Lebenserwartung um ein vielfaches zuträglicher eine Amp Simulation zu nutzen.

Dennoch. Irgendwie fehlt mir dann doch schlußendlich diese winzige Prise Metal drin. Also im Rhythmus Bereich läufts für mich absolut fantastisch. Aber im Solo Sound muss irgendwie noch was drauf. Zunächst den RAT Verzerrer in den Unison gepackt. Das Ergebnis ist jedoch eher bescheiden. Mehr Gejaule als sonstwas. Ständige Rückkopplungen und kaum zu kontrollieren das Ganze. Also dann doch nach langem Hin und Her den bislang geschmähten ENGL Amp besorgt …. und ich bin komplett von den Socken!

  • ENGL Savage 120

ENGL AMP

Was für ein Pfund kommt da raus! Muß mal irgendwann demnächst so ein Demo Video davon bei YouTube posten. Diese Ampsimulation von Brainworx ist wohl das ultimativste, was es an regelbaren, virtuellen Amps auf dem Markt gibt. Neben den obligatorischen Klang- und Gaineigenschaften verfügt der ENGL über eine FX Sektion, bei der man sich die Stacks Customlike selber

ENGL mi FX

zusammenstellen kann. 4x12er, 4x10er, 2x10er, 2x12er… entweder straight amerikanisch, oder wie ich es gerne hab, britisch Marshall. Genau damit hab ich den Sound hinbekommen, den ich für den Solopart in Hippie Attack brauchte.

Für den Rhythmus Part sollte es jedoch bluesiger, stratmässiger klingen. Anstatt lange zu suchen nahm ich den im UAD Apollo Plugin Bundle enthaltenen

  • Marshall Plexi Classic

Durfte selbst mal früher im Proberaum auf so einem Topteil über ner 4x10er

Marshall Plexi Classic Amp

abjagen. Sehr prägnanter Sound übrigens. Beeinflusst sofort die Spielweise und die Stilistik. Aber man muß schon ein wenig damit rumfummeln bis ein vernünftiger Sound rauskommt. Wie im echten Leben eben. Kann sich im Gegensatz zu den modernen Designeramps enorm störrisch verhalten. Mit etwas Geduld und einer Strat drüber gejagt, klingt er aber absolut authentisch. Das Ganze gedoppelt und wir haben eine richtige Rhythm Guitar Landscape.

Kleines Klangbeispiel gefällig?

Making of Hippie Attack – Vocal Chain

Nach langem Herumexperimentieren & unzähligen YouTube Tutorials hab ich endlich die perfekte vocalchain für meine Stimme gefunden.

Zunächst erstmal das

  • Mikrophon:

Rode NT1-A

Das Røde Mic ist für mich (und meine monetäre Situation) schlichtweg das Beste, was ein Kondensatormikro hergeben kann. Klar hätte ich auch lieber ein Neumann U87 am Start.

Aber seien wir mal ehrlich:  ganz abgesehen vom Preis- wenn man zuhause aufnimmt und nicht im Studio, kann man sich doch glücklich schätzen, nicht alles, was man in einem nicht perfekt schallisolierten Raum einfängt, direkt aufs Tape zu bekommen. Vogelgezwitscher, Autogeräusche, quäkende Kinder, Flugzeuge…. und dann jedesmal hinterherlauschen und immer wieder einen neuen Take aufnehmen. Das ist ja zum bekloppt werden. Wir sind ja schließlich nun mal sogenannte “Bedroom Producer”, betreiben Homerecording und haben keine perfekte Studio Peripherie um uns herum zusammengebaut, die uns komplett von der Aussenwelt abschirmt. Also machen wir eben das Beste draus und nutzen digitale Technologie um die Aufnahmen richtig aufzumotzen. Da hätten wir neben dem Røde erstmal den richtigen

  • Preamp:

UA 610 B Preamp

Viele schwören ja auf den 1073 von Neve. Aber zum einen klingt der UA 610 von Universal sehr sauber & röhrig, zum anderen wird er im Plugin Bundle des Apollo Interface eh für lau dazu mitgeliefert. Also ruhig mal durch die presets durchsteppen und sich seinen Eingangspegel verfeinern. Abgesehen davon, fand ich die anderen mitgelieferten Preamps wie den Helios Type 69 oder die Emulation des V76 ebenfalls absolute Sahne. Muss man sich eben durchwurschteln und intuitiv für sich oder die entsprechende Aufnahmesituation den besten aussuchen. Für die Instrumentalspuren hab ich ebenfalls den UA 610 B genutzt. Beim Bouncen der Midispuren. Aber dazu später. Als nächstes kommt in den ersten Slot meiner Insert Chain die

  • FET Compression:

1176 Compressor

Mit dem 1176. Dieser FET Compressor ist die Simulation einer Studiolegende. Für Vocals sollte man sich mit der “Dr. Pepper” Einstellung herantasten, um klar akzentuierte Konsonanten für die Sprachverständlichkeit hervorzuheben. Hierbei nutzt man die ”10 o’clock, 2 o’clock, 4 o’clock” Einstellung. Was nichts anderes bedeutet, als den Attack auf 10 Uhr, Release auf 14 Uhr und den Ratio auf 4 zu stellen. Genau so wurde einst der 1176 für eine legendäre Radioreklame der Dr. Pepper Limonade eingestellt und ist heutzutage im Tonproduktionsbereich das Synonym für die perfekte Einstellung dieses Kompressors. Nun gut. Soeben haben wir an der Akzentuierung der Transienten geschraubt, nun folgt die Portion Sahne obendrauf mit der

  • Tube Compression:

LA 2A Compressor

Röhrenkompression vom Feinsten bietet der LA-2A von Universal. Mit wenigen Einstellungsvariationen ist es möglich einen richtig warmen angenehmen Vocal Sound zu kreieren. Mit diesen paar Handgriffen klingt es jetzt schon wie in einem 100.000 $ Studio. Aber ich setzt da noch einen drauf mit der

  • Saturation:

Oxide Tape

Zum Schluß der Vocalchain hab ich für die Hippie Attack Lead Vocals nochmal das Oxide Tape zur Bandsättigung drauf geworfen. Macht das Ganze noch einmal präziser und präsenter. Muß aber nicht zwingend in die Standard Vocal Chain. Ist auch sehr spezifisch auf die Nummer abgestimmt, bei der ich noch ein Pfund Schärfe dazu brauchte. Schlußendlich ergibt sich aus dieser Kombination ein glasklarer Vocalsound. Nix wirkt muffig oder undeutlich.

Das ganz grosse Plus ist aber natürlich die latenzfreie Aufnahme der DSP Technik über das Apollo Interface und die Console. D.h. in unserem Fall, dass die ganzen feinen o.g. Plugz keinerlei Zeitverzögerung in der DAW auslösen und das Signal sauber ankommt, ohne die CPU zu belasten.

  • P.S. Übrigens könnte man diese Vocalchain in Logic auch mit den mitgelieferten Stock Plugins nachbauen. Beim Compressor einfach den Studio FET und dahinter den Studio Opto schalten.

kurzes Klangbeispiel:

Der Typ ist die absolute Humorbombe

 

 

Bitte gebt euch mal die Prank Vids von diesem Typ. Genau mein Humor. Da werde ich voll getriggert. Das ist zwar komplett albern, dennoch kann ich mich da nicht zusammenreissen.

https://youtu.be/L_lcq-MqvIE

 

oder hier im Handyladen. Wie er es da direkt mit 2 Verkäufern aufnimmt. Muahahaha!

https://youtu.be/qaLlMljnANs

OK, einer geht noch:

https://youtu.be/eVbdDcOOpqY

Real Amp vs. Virtual Amp

Eine Frage, die nicht nur mich beschäftigt:

Was klingt besser?

 

Am besten wir probieren das ganze mal aus, wobei wir die Vor – und Nachteile beider Aufnahmemöglichkeiten mal kurz zusammenfassen.

Das Real Amp Lineup besteht aus einem getuneden Marshall JCM 800 mit einem Shure SM 57.

Das Virtual Lineup mit der Universal Console, UA 610 Röhren Preamp, Raw Distortion, Marshall Plexi Classic

Real Amp:

Pro

  • satter Sound
  • Spielgefühl ist direkt und unmissverständlich
  • Soundeinstellung direkt am Poti statt Maus

Kontra

  • Aufnahmesituation komplizierter (Raumakustik)
  • sehr laut (Nachbarn)
  • Headphones stören manchmal

Virtual Amp

Pro

  • erstaunliche Klangbearbeitung
  • locker und frei über die Monitore abhören
  • In dezenter Lautstärke

Kontra

  • Spielgefühl wirkt künstlich
  • Authentizität des Sounds (oder ist das Einbildung?)
  • Latenz kann nerven