Wie nennt man das noch mal?
Man weiß, dass etwas eigentlich nicht ganz in Ordnung ist, was man da gerade vorhat, und tut es trotzdem. Man hört weder auf die Ratschläge von Leuten, die bereits ihrerseits Erfahrungen gesammelt haben und einem davon abraten, noch auf die eigenen schlechten Erfahrungen.
Wie nennt man das?
Dafür gibt es doch so ein kleines, einprägsames Kurzwort.
Mmmh.
Kurz zum Geschehen:
Ich wollte in den Urlaub. Überraschenderweise nach Fehmarn beziehungsweise in die Nähe davon. Und für meine Songs hatte ich mir eine Deadline gesetzt.
Einfach so.
Kein Problem.
Blöd nur – ach, da ist ja das Wort, das ich gesucht habe – wenn man diesen Zeitplan dann doch nicht einhalten kann und plötzlich auf Biegen und Brechen fertig werden will.
Dabei hätte es überhaupt niemanden interessiert, ob die Nummern nun genau an diesem Tag oder eine Woche später rauskommen.
Niemanden.
Außer meinem Gehirn.
Denn dort hatte sich inzwischen eine Vision festgesetzt.
Ich. Im Vorzelt unseres Wohnwagens. Handy in der Hand. Spotify geöffnet. Meine eigenen Songs laufen.
Supercool.
So eine Art:
**„Seht her, wer ich wirklich bin. Und jetzt kniet im Staub.“**
Keine Ahnung, warum das für mich so wichtig war.
Also musste Tempo gemacht werden.
Mischen, mastern, einsingen, wieder mischen, wieder mastern, nochmal einsingen. Irgendwann weiß man auch nicht mehr genau, ob man gerade noch einen Song produziert oder bereits versucht, einen Verkehrsunfall zu vertonen.
Aber egal.
Fehler?
Hört keiner.
Hab ich mir gesagt.
Weder im Mix noch die angekratzte Stimme. Hört eben keiner.
Ich hör’s ja selbst nicht.
Also alles okay.
Dachte ich.
Bis zum Morgen des Releases.
Da saß ich tatsächlich im Vorzelt, Handy in der Hand, erwartungsfroh die frisch veröffentlichten Nummern gestreamt und dachte noch:
„Ach, hört ja eh keiner.“
Und dann traf es mich.
Früh am Morgen.
Wie ein Schlag in den Nacken.
**Doch.**
Einer hört es.
**Ich selbst.**
Und ich war entsetzt.
Ich wollte sofort wieder an den Rechner.
Ging aber nicht.
Urlaub und so.
Kleines Beispiel gefällig?
Die Tapemaschine im Master.
Tapesaturation ist eine Supersache.
Wirklich.
Es sei denn, man hat bereits im Mix damit herumexperimentiert und dabei spasseshalber hier und da noch ein bisschen davon eingebaut.
Nur ein kleiner Eingriff.
Hört keiner.
Klar.
Am Ende hatte ich nämlich einen Mix, der komplett dumpf geworden war.
Als hätte jemand einen Teppich über den Bereich von ungefähr 3 bis 6 kHz gelegt.
Besonders schön war das bei der Ballade.
Da hatte ich mir beim Einsingen wirklich Mühe gegeben.
Und jetzt lag da ein undeutliches, weinerliches Krächzen unter diesem akustischen Teppich.
Großartig.
Noch schlimmer fand ich dann allerdings **„Im Sommerland“**.
Da hatte ich aus Zeitgründen einfach den Gesang in den Refrains verdoppelt.
Problem:
Die Band macht im ersten Refrain überhaupt keinen Tonartwechsel.
Ich aber schon.
Unfreiwillig.
Wahnsinn.
Auch mein Arrangement hätte ich mir vielleicht noch mal etwas genauer anschauen können.
Aber das vergessen wir jetzt bitte schnell wieder.
Da gibt es nämlich Parts, in denen ziemlich lange ziemlich wenig passiert.
Was ja grundsätzlich ein Stilmittel sein kann.
Wenn man es absichtlich macht.
Ich hatte es allerdings eher aus Versehen gemacht.
Ich hatte also für die nächsten Tage schlechte Laune im Urlaub.
Oh, wie mies kann das Leben zu einem sein.
Zum Glück gibt es bei DistroKid die Audioswap-Funktion.
Nach meinem Urlaub habe ich dann das ein oder andere Plugin wieder rausgeschmissen, mir tatsächlich Zeit für den Mix genommen und auch noch einmal eingesungen.
In Ruhe.
Nach und nach.
Und siehe da:
Plötzlich wurde es besser.
Schlimmer konnte es ja auch kaum noch werden.
Ob die bei Spotify und Co. inzwischen genervt von mir sind?
Keine Ahnung.
Ist mir aber irgendwie auch egal.
Und zwar so egal, dass ich inzwischen sogar vorhabe, die Tracks **noch einmal hochzuladen**.
Denn beim erneuten Durchhören sind mir natürlich noch ein paar geniale Ideen für die Kanalzüge gekommen.
Aber dazu später.
Man lernt ja schließlich aus seinen Fehlern.
Oder auch nicht.
Je nachdem, wie man **Blödheit** definiert.